Der Systemfehler, beim DTP zu sparen
Desktop-Publishing (DTP) und Dateiaufbereitung gehören zu den zentralen Phasen der Lokalisierung. Sie bilden das visuelle und technische Fundament jedes Dokuments: Ohne professionellen Fremdsprachensatz verliert selbst eine sprachlich makellose Übersetzung an Wert.
Leider betrachten viele Übersetzungsagenturen – darunter auch große internationale Sprachdienstleister (LSPs) – DTP noch immer als zweitrangige Routineaufgabe. Der Großteil des Budgets und der Managementaufmerksamkeit fließt in die Übersetzung, während das DTP durch gedrückte Preise und engere Fristen unter Druck gerät. In Zeiten knapper Budgets und des KI-Booms hat sich dieser Trend noch weiter verschärft.
Doch genau hier liegt ein Systemfehler. Während künstliche Intelligenz inzwischen brauchbare Rohübersetzungen liefern kann (insbesondere bei Fachtexten), scheitern neuronale Netze nach wie vor am DTP. Modelle erraten zwar mitunter einfache Formatierungen oder Tabellenpositionen, doch konsistente, produktionsreife Ergebnisse bleiben unerreichbar. Wir testen regelmäßig neue Tools und entwickeln eigene proprietäre Lösungen – dennoch gibt es auf dem Markt kein vollautomatisches „Ein-Klick-Programm“, das jede DTP-Herausforderung bewältigt. Manuelle Dateiaufbereitung und eine strenge Qualitätskontrolle des Layouts bleiben unverzichtbar.
Unsaubere Formatierung fällt dem Leser als allererstes ins Auge. Der Text mag perfekt übersetzt sein – doch verschobene Tabellen, sich überlappende Textrahmen und eine zerstörte Schrifthierarchie machen ein Dokument unbrauchbar. Am DTP zu sparen, entwertet unweigerlich das gesamte Lokalisierungsprojekt.
